Jim Knopf und der Scheinriese Turtur

Kennen Sie die Geschichte von Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer? Die beiden landen einmal mit ihrer Lokomotive Emma in der Wüste und drohen zu verdursten. Da taucht in der Ferne plötzlich ein Riese auf. Der ist so gross, dass die Sanddünen wie Maulwurfshügel wirken. Der kleine Jim Knopf hat schreckliche Angst und möchte davon laufen. Aber sein weiser Freund Lukas bittet ihn, einen Moment zu warten und den Riesen genauer anzuschauen. „Er sieht doch eigentlich recht freundlich aus. Er winkt uns sogar zu. Lass uns mutig sein, aus unserer Lokomotive aussteigen und auf den Riesen zugehen.“ Und so gehen die beiden mit zitternden Knien auf den Riesen zu. Der scheint sich dadurch eingeladen zu fühlen und kommt seinerseits freudig und mit grossen Schritten näher.

Schein und Sein
Oase in der Wüste

Und es geschieht etwas ganz Wundersames: Je näher sich die Freunde und der Riese kommen, desto kleiner wird er! Als sie schliesslich voreinander stehen, ist er etwa so gross, nein, er ist sogar ein bisschen kleiner als Lukas! „Ihr seid die ersten, die nicht vor mir weggelaufen sind. Dafür danke ich euch von Herzen!“ erklärt er freudestrahlend. „Ich bin Turtur und ich bin schrecklich einsam.“ Und so erfahren Jim und Lukas, dass Turtur ein Scheinriese ist, der umso grösser erscheint, je weiter er entfernt ist. Die Menschen blicken ihn nicht richtig an, wenn sie ihn von Ferne sehen. Denn sie fürchten sich und laufen weg. Und dann geschieht etwas Schreckliches: Umso weiter sie weglaufen, desto grösser erscheint der Riese. Und sie beeilen sich, noch weiter fortzulaufen.

Zutiefst erfreut und gerührt, dass Jim und Lukas den Mut hatten, auf ihn zu zu kommen, hilft Turtur den beiden, sich an einer geheimen Oase zu stärken und anschliessend den Weg aus der Wüste heraus zu finden.

Die drei Brüder und die 19 Kamele

In einem fernen Land im Orient lebte einst ein alter Mann. Der hatte drei Söhne. Als er auf dem Sterbebett liegt, ruft er seine Söhne zu sich und sagt: „Ich hinterlasse euch meine 19 Kamele, wenn ihr mir versprecht, diese in Frieden und nach meinem Willen – den ich euch sogleich mitteilen werde – aufzuteilen. Aber ihr dürft keines der Kamele verkaufen oder töten.“ Die Söhne geben ihm ihr Versprechen. Da erklärt der Vater: „Du, mein ältester Sohn, sollst die Hälfte meines Erbes bekommen. Du, mein zweiter Sohn, einen Viertel und du, mein jüngster Sohn, einen Fünftel.“ Dann schliesst er die Augen und verlässt diese Welt.

Anfangs diskutieren die drei Brüder noch motiviert und freundlich miteinander. Bald aber treibt sie ihre Ratlosigkeit in eine gereizte und angespannte Stimmung, die zu einem ernsthaften Streit zu werden droht.

Sonnenuntergang Kamel

So findet sie ein Reisender vor, der an ihrer Oase Rast machen möchte und um einen Schlafplatz und eine Mahlzeit bittet. Die Brüder lassen in herein, froh darüber, nicht weiter alleine mit ihrer Aufgabe zu sein. Während der Reisende dankbar isst, hört er sich das unlösbare Problem an. Er merkt, dass sich drei eigentlich wohl gesonnen sind und gute Herzen haben. Nachdem er alle Speisen genüsslich verzehrt hat, schlägt er vor, sie sollten doch einfach sein Kamel mit dazu nehmen. „Das können wir doch nicht annehmen! Wie wollt Ihr denn dann weiter reisen?“, rufen die Brüder erstaunt aus. „Macht euch um mich keine Sorgen. Hier habt ihr nun 20 Kamele, nehmt euch euren jeweiligen Anteil“, bietet der Reisende an und seine Augen funkeln vor Freude. „So soll es also sein“, spricht der älteste Sohn und nimmt sich, wie vom Vater gewünscht, die Hälfte, also zehn Kamele. Der Mittlere nimmt sich einen Viertel, also fünf und der Jüngste vier der Tiere. Verdutzt blicken sie auf das 20. Kamel des Reisenden, das übrig geblieben ist. Dieser schwingt sich auf dessen Rücken, wünscht den Brüdern Lebewohl und zieht zufrieden davon.